Holderbuschs Lexikon


  • Das Anlehngewächshaus erfüllt im Sinne der Permakultur mehrere Funktionen: Erstens wachsen dort wie in jedem Gewächshaus Pflanzen, zweitens trägt das Anlehngewächshaus im Winter zum Schutz der Hauswand bei und hilft beim Heizen. Dieser Schutz beruht auf Gegenseitigkeit: die Hauswand speichert Wärme und gleicht dadurch das Klima im Gewächshaus aus. Und ganz nebenbei wird auch noch Material gespart, denn ein Anlehngewächshaus hat nur drei Seiten aus Glas. Unser Anlehngewächshaus wurde aus alten Frühbeetfenstern gebaut, wird momentan aber durch moderne Werkstoffe ersetzt und seine Standfläche vergrößert.


  • Benjeshecken (benannt nach dem Heckenbauer Hermann Benjes) bestehen vorwiegend aus Astschnitt, wie er bei Pflegearbeiten anfällt. Dieses Material wird als mehrere Meter breiter Wall um eine Anpflanzung von nur wenigen Sträuchern herumgelegt, dient diesen als Verbissschutz und bietet gleichzeitig sofort Unterschlupf für viele Tierarten. Eine weitere Begrünung soll durch herbeifliegende oder in Vogelkot enthaltene Baum- und Krautsamen erfolgen.


  • Der vorhandene und lange Zeit nicht genutzte Brunnen wurde gereinigt und tiefer gegraben, jetzt ist er ca. 7,5 Meter tief. Er liefert Wasser für den Garten, die Sommerküche und die Freiluftduschen. Es wurde eine Tauchpumpe installiert und über dem Brunnen ein Häuschen mit einen kleinen Wasserspeicher errichtet.


  • Beim Flächenkompost werden die Kompostmaterialien als Mulch auf der Erde ausgebreitet und verrotten direkt vor Ort. Auf unserem Gelände gibt es drei verschiedene Flächenkomposte: Vor der Sommerküche und auf zweien der Gemüsebeete. Man kann ihn auf viele verschiedene Arten anlegen und sich dabei einfach den Regen und die Sonne zunutze machen. Der Sommer ist die beste Jahreszeit für diese Arbeit, weil die warmen Temperaturen den Verrottungsprozess beschleunigen.


  • Hecken erfüllen vielfältige Funktionen in der Agrarlandschaft: Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und helfen die Artenvielfalt zu erhalten. Außerdem bieten sie Windschutz, wirken regulierend auf den Wasserhaushalt und bereichern das Landschaftsbild. Bei uns werden in die Hecken zahlreiche fruchttragende Sträucher wie Haselnuss, Kornelkorsche(Hartriegel), Bocksdorn ("Goij-Beere"), Holunder in Sorten, Felsenbirne, Apfelbeere (Aronia) integriert, so dass schrittweise "essbare Landschaften" entstehen. 


  • Hügelbeete bieten gegenüber den üblichen ebenerdigen Beeten eine Reihe von Vorteilen: die nutzbare Beet-Fläche wird größer, es können Pflanzen mit unterschiedlichen Feuchte und Temperaturansprüchen auf kleinem Raum nahe beieinander wachsen, das langsam verrottende Grobmaterial im Innenbereich des Hügelbeetes liefert Nährstoffe und wärmt den Boden etwas. Allerdings ist der Arbeitsaufwand bei der Herstellung und Bearbeitung der Hügelbeete höher, ein Maschineneinsatz kaum möglich. Ein Hügelbeet sollte im besten Falle in Nord-Süd-Richtung angelegt werden, die Länge ist variabel sollte aber 4 m nicht unterschreiten. Bei der Breite liegt der Idealwert bei 1,50 m bis 1,80 m.


  • Streuobstwiesen sind die traditionelle Form des Obstanbaus. Auf Streuobstwiesen stehen verschiedene Arten und Sorten von hochstämmigen Obstbäumen. Auch schwer erreichbare Flächen oder karge Böden können so naturverträglich und ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel genutzt werden. Traditionell üblich ist die landwirtschaftliche Mehrfachnutzung der Flächen: Sie dienen sowohl der Obsterzeugung (Obernutzung) als auch der Grünlandnutzung als Mähwiese zur Heugewinnung oder als Viehweide (Unternutzung).


  • Der Totholzzaun. Nicht immer ist genug Platz für eine „echte“ Benjeshecke. Dennoch muss es nicht zwangsläufig ein Zaun aus vorgefertigten Elementen, eine Mauer oder Schnitthecke sein. Beim Totholzzaun wird Astschnitt genutzt um Tiere einzuzäunen, ein Beet einzugrenzen oder Hänge zu befestigen. Der Bau eines Totholzzaunes erfordert nur wenige Hilfsmittel: einen Spaten, angespitzte Zaunpfähle – je nach Zaunhöhe ein bis zwei Meter lang - und einen Vorschlaghammer für das Gerippe. Die Pfähle werden im Abstand von etwa einem halben Meter in den Boden gerammt, anschließend wird kleineres Ast- und Strauchmaterial zwischen den Pfählen eingestapelt. Ein Totholzzaunes kann weniger als einen halben Meter breit sein, bei hohen Totholzzäune kann es sinnvoll sein, die Stützpfähle quer mit Draht zu verbinden. So entsteht eine stabile Einfriedung. Die Lebensdauer eines solchen Totholzzaunes beträgt allerdings nur einige Jahre, da das Holz sich zersetzt und der Zaun dann zusammenrutscht und die Stützpfähle abbrechen. Aber Ersatz ist mit wenig Aufwand unter Verwendung des Altmaterials schnell geschaffen. Totholzzäune sind keineswegs tot. Sie bieten einer Vielzahl von Kleintieren Nahrung und Versteckplätze, im Schutz des Totholzes können Strauch- und Baumsämlinge heranwachsen, so dass im laufe der Zeit der Totholzzaun auch zu einer lebendigen Hecke werden kann.